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Stiff la Wolf

Schöpfungsgeschichte einmal anders






Stiff la Wolf

von "David Meiländer"

Über "Gott" zu sprechen, ihn sich vorzustellen und eventuell gar kritisch zu betrachten ist in unserer Gesellschaft bei vielen Menschen tabu. In manchen Kulturkreisen ist es sogar strikt untersagt, seinen Namen auszusprechen. Da ist es nicht verwunderlich, daß Stiff la Wolfs Buch sofort durch seinen provozierenden Titel auffällt. "Nenn mich einfach Gott" - was soll uns da bitte schön erwarten? Eine Geschichte über das Grauen der Gentechnik, über einen größenwahnsinnigen Wissenschaftler? Handelt es sich hierbei um die Neuauflage von Dr. Frankenstein oder die Autobiographie eines prominenten Altkanzlers? Nein, ganz sicher nicht, denn mit diesen Ideen haben andere ihr Geld verdient, eventuell sogar Bestseller geschrieben. "Nenn mich einfach Gott" ist die Neuauflage eines der ältesten und meistverkauftesten Bücher dieser Erde - und das in Taschenbuchform: Die Bibel. Die Geschichte handelt von der Erschaffung des Menschen, einer Welt - und ich schreibe ganz bewußt nicht Erde - und wie Gott auf dieser sein Leben fristet. Er wohnt in einer kleinen Berghütte mitten in der Natur und beginnt sich irgendwann einsam zu fühlen. Also beginnt er sich einen Menschen zu formen und haucht ihm mit seinem göttlichen Atem Leben ein. Er nennt ihn Alfred, er will Gott genannt werden. So leben beide eine Zeit lang Seite an Seite und irgendwann entscheidet sich Alfred fort zu gehen. Gott muß das akzeptieren und schenkt ihm einen Ring, der magische Kräfte besitzt und Alfred vor Unheil schützen soll. Und da beginnen die Probleme. Alfred erschafft einige Kilometer weiter "die Zivilisation", dessen Anführer er ist und zwar einzig und allein aus dem Grund, weil Gott es so wolle. Dieser sitzt aber weiterhin in seiner Berghütte und fühlt sich doch etwas bedroht von der wachsenden Menschheit, die ihn - auf Geheiß Alfreds - nicht besuchen darf. Doch das kann ja nicht ewig so weitergehen. Irgendwann besucht Gott die Zivilisation da hinter dem Berg und erlebt dort, wie sein Alfred die Menschen in seinem Namen gnadenlos unterdrückt. Was soll Gott tun? Die Menschheit vernichten? Alfred zur Rede stellen? Eine verzwickte Situation, die im Buch gelöst wird. Besser geht es kaum mehr. Selten habe ich ein Buch in den Händen gehalten, daß in dieser Form einen völlig neuen und eigenen Weg beschreitet und außerdem in der Lage ist, die Handlung mit immer fortwährenden Sticheleien auf die Gegenwart zu bestücken. Eine wahre Meistersatire! Gott wird hier als menschlich und nah beschrieben und nicht wenige Parallelen fallen auf zwischen dem von Alfred errichteten Gottesstaat und der Realität.

Amüsant und für 6,54 - ein Schnäppchen sondergleichen!